Blogreihe: Digitalisierung 2018 – Teil 3 – Märkte neu erfinden durch die Vernetzung unserer Lebenswelt

Digitale Geschäftsmodelle wachsen viermal schneller als klassische. (1)

 

Dennoch ist die digitale Welt in vielen klassischen Lebensbereichen noch nicht angekommen. So zum Beispiel im Bereich der Humanmedizin oder auf dem Finanzsektor. Bislang trauen sich nur wenige Unternehmen mit digitalen Lösungen, etwa zur Gesundheitsvorsorge oder zur Kreditvermittlung auf den Markt. Dabei dürften die Gewinne für Unternehmen und Verbraucher immens sein. Das gesamte wirtschaftliche Potenzial wird bis 2025 auf weltweit 170 Milliarden bis nahezu 1.6 Billionen Dollar geschätzt. (2)

 

Die Gesundheitswirtschaft macht 12 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus und ist in den vergangenen Jahren stärker und stabiler gewachsen als die gesamte deutsche Wirtschaft. (3)

 

Die digitale Überwachung von Gesundheitsdaten wie Herzschlag oder Blutzucker könnte die Lebensqualität chronisch kranker Menschen verbessern und beispielsweise bei einer Verschlechterung des Zustandes frühzeitig Alarm schlagen. Auch für die Anbieter bedeuten digitalisierte medizinische Anwendungen große Vorteile. Wird ein großes und hochpreisiges Gerät, durch eine mobile, digitale Anwendung unterstützt oder gar ersetzt, schrumpfen die Kosten während die Anwendungsmöglichkeiten wachsen. (4)

Die Bevölkerung und auch viele Unternehmen sind diesen digitalisierten Chancen gegenüber noch skeptisch eingestellt. Immer wieder werden hierfür die Datensicherheit und der Datenschutz angeführt. Viele gute Ideen scheiterten zudem bislang an hohen bürokratischen Hürden und der Rechtslage (etwa durch das Fernbehandlungsverbot und Fernverschreibungsverbot im Medizinsektor).

Ändern sollen das Förderprogramme, mit denen die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Gesundheitswirtschaft dauerhaft gesichert werden soll. Auch Gesetzesänderungen, wie das IT-Sicherheitsgesetz oder das neue E-Health-Gesetz, werden sich in den kommenden Jahren begünstigend auswirken. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die Blutdruckmessung via App oder vielleicht sogar die Sprechstunde beim Arzt digital erfolgen – ganz bequem von zuhause aus.

Laut der Studie „Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft 2016“ bestehen aus Sicht der befragten Klinikmanager die größten Chancen zur Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen in der Verwaltung (84 Prozent Zustimmung) und der Diagnostik (75 Prozent Zustimmung). (5)

 

Erst 26 Prozent der Krankenhäuser besitzen eine unternehmensübergreifende digitale Strategie, aber seit 2015 schreitet die Entwicklung digitaler Einzelprojekte in großen Schritten voran. (6)

 

Daran zeigt sich, dass vor allem kleinere Anwendungen zur Diagnose oder Verwaltung im Medizinsektor lohnen.

Mit gutem Beispiel voran geht etwas die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung. Mit ihrer Gehirn erschüttert? TestAPP ermöglicht sie Trainern, Sportlern, Pädagogen und Eltern die einfache Erkennung einer möglichen Gehirnerschütterung und dadurch die rechtzeitige Behandlung dieser in manchen Fällen sogar lebensbedrohlichen Verletzung. Eine Anwendung wie diese lebt gerade von ihrer leichten Verfügbarkeit und Bedienbarkeit via Smartphone oder Tablet. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie auch in Zukunft die Devices der Wahl sein. Wer an digitale Produktentwicklungen denkt, kommt also an mobilen Anwendungen kaum noch vorbei.

Auch im oben erwähnten Finanzsektor gibt es noch Nachholbedarf. Ein überzeugendes Beispiel dafür, wie sich der Kundenservice in der Bankenbranche neu denken lässt, liefert die Baufinanzierungsapp der Commerzbank AG. Von der Grundstückssuche bis zur Finanzierungsanfrage und dem Hoch- und Herunterladen wichtiger Dokumente ist alles über eine einzige App möglich. So gelingt der wichtige Schritt bis zur ersten groben Finanzierungszusage und damit das schnelle Reagieren beim Finden der Traumimmobilie innerhalb von Minuten, ohne dabei das Haus verlassen zu müssen. Was den Kunden freut, ist für die Bank mindestens ebenso erfreulich, denn die Eingabe der Daten durch den Kunden und das schnelle Abgleichen mit Berechnungsformeln spart Zeit und Aufwand.

Die Leistung bleibt demnach dieselbe. Durch die Digitalisierung hat sie sich jedoch zu einem neuen Produkt mit deutlicher Kundenzentrierung und einem wirklichen Mehrwert entwickelt. Auch hier sind es die Smartphones, die als immer verfügbare Devices überzeugen. Die Anwendungen der Zukunft werden mit großer Wahrscheinlichkeit über mobile Geräte genutzt.

 

Das Internet of Things (IoT) ist das neue Mobiltelefon

Auch das Internet der Dinge und das oft damit in Verbindung gebrachte Smart Home ermöglichen es Unternehmen, bisher physische Produkte digital neu zu denken, oder durch digitale Features zu erweitern.

Was noch vor einigen Jahren Zukunftsmusik war, steht nun bereit, um Haushaltsgegenstände internetfähig zu machen und Dienstleistungen virtuell anzubieten – vom Sensor zur Datenerfassung bis zum kooperativen Roboter.

Haushalts- und Multimedia-Geräte, die interagieren und zentral ferngesteuert werden können, wie etwa intelligente Thermostate, Sicherheitssysteme oder Staubsauger-Roboter erleben zurzeit einen echten Boom.

 

Die Anwendung von IoT Lösungen besitzt einen wirtschaftlichen Impact zwischen 3,9 und 11,1 Billionen Dollar pro Jahr ab 2025. Allein im industriellen Umfeld könnte durch IoT Anwendungen ein Wert von bis zu 3,7 Billionen Dollar pro Jahr freigesetzt werden. (7)

 

Grund dafür sind auch die immer besseren Standards in der Datenübertragung. Der Anstieg des Mobilfunkstandards 5G New Radio (NR) wird bis 2019 die umfassende Bereitstellung von Hochleistungsbreitbanddiensten ermöglichen und damit endgültig den Weg für drahtlose Kommunikationsnetze ebenen. Die Anzahl an 5G Abonnements wird bis zum Jahr 2022 voraussichtlich eine halbe Billion überschreiten, mobile Breitbandverbindungen damit dann mehr als 90 Prozent aller Abonnements ausmachen.

 

Damit wird das Internet der Dinge die Mobiltelefone als Spitzenreiter bei vernetzten Geräten überholen. Westeuropa wird dabei die führende Rolle bei IoT-Geräten einnehmen. (8)

   

Diese Entwicklung lässt das Einsatzspektrum für das Internet der Dinge und die Echtzeit-Kommunikation enorm anwachsen. Die neuen die Geräte und Systeme, die sich im Zusammenhang damit entwickeln lassen, besitzen enormes Potential, denn sie erleichtern nicht nur die Bedienung und Kommunikation mit dem Nutzer, sondern bereiten diesem auch Freude, wie z.B. durch Sprachsteuerung, Smart Lighting oder Gamification.

Die fortschreitende Vernetzung unserer Lebenswelt treibt auch die Geschäftsentwicklung positiv voran. Mehr als zwei Drittel aller IoT Anwendungen werden im B2B Markt erwartet. (9) Vor allem elektronische Bauteile – beispielsweise Sensoren sind stark gefragt.

 

Für 2018 erwarten die Elektronikfirmen ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 14,3 Prozent. (10)

 

Innovative Kombinationen zwischen Produktsystemen und Software bieten den deutschen Elektronikproduzenten zudem die Möglichkeit, bestehende Marktanteile auszubauen und neue hinzu zu gewinnen.

Bislang werden jedoch gerade einmal 1 Prozent der IoT Daten genutzt. (11) Die Aufgabe beziehungsweise große Chance für Unternehmen besteht also in der intelligenten Nutzung der Datenfülle, um neue intelligente Produkte mit enormen wirtschaftlichen Potential zu entwickeln.

 

Digitale Neugeschäfte – ganz gleich welche Produkte oder Dienstleistungen sie beinhalten – besitzen gerade auf dem scheinbar so abgegrasten Markt enorme Erfolgsaussichten, sofern sie duchdacht und gut umgesetzt sowie im besten Fall auch solide finanziert sind. Mehr Informationen findest Du hier.

 

Weiterlesen: Teil 4 – Produktivität und Gewinne steigern dank Automatisierung

 

Quellen

(1) Sejournet, Sylvie: Digitale Geschäftsmodelle wachsen viermal schneller als klassische, 13.06.2017, unter: http://www.dasinvestment.com/verhaeltnisse-verschieben-sich-digitale-geschaeftsmodelle-wachsen-viermal-schneller-als/ (aufgerufen am 21.11.2017).

(2) McKinsey Global Institute: The Internet of Things: Mapping the value beyond the hype, Juni 2015, S. 37, unter: https://www.mckinsey.de/files/unlocking_the_potential_of_the_internet_of_things_full_report.pdf (aufgerufen am 21.11.2017).

(3) Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi): Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft, Mai 2017, unter: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Wirtschaft/eckpunkte-digitalisierung-gesundheitswirtschaft.pdf?__blob=publicationFile&v=16 (aufgerufen am 21.11.2017).

(4) zum Bsp. Phillips Lumify, siehe: “Philips launches FDA-cleared smartphone-connected ultrasound device”, November 2015, unter: http://www.mobihealthnews.com/48756/philips-launches-fda-cleared-smartphone-connected-ultrasound-device (aufgerufen am 21.11.2017).

(5) Rochus Mummert: Presseinformation – Deutsche Krankenhäuser kommen beim Thema Digitalisierung nur langsam voran / Neue Studie auf dem 12. Gesundheitswirtschaftskongress in Hamburg vorgestellt, 22. September 2016, unter: https://www.rochusmummert.com/downloads/news/160922_PI_RM_Digitalisierung_Healthcare_FINAL.pdf (aufgerufen am 23.11.2017).

Mittels einer Online-Umfrage wurden 380 Führungskräfte deutscher Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen befragt. Die Teilnehmer der Studie üben vor allem Positionen in der Geschäftsführung oder andere leitende Funktionen aus. Zu den befragten Krankenhäusern gehören Kliniken in öffentlich-rechtlicher, frei-gemeinnütziger, konfessioneller und privater Trägerschaft.

(6) Rochus Mummert: Presseinformation – Deutsche Krankenhäuser kommen beim Thema Digitalisierung nur langsam voran / Neue Studie auf dem 12. Gesundheitswirtschaftskongress in Hamburg vorgestellt, 22. September 2016, unter: https://www.rochusmummert.com/downloads/news/160922_PI_RM_Digitalisierung_Healthcare_FINAL.pdf (aufgerufen am 23.11.2017).

(7) McKinsey Global Institute: The Internet of Things: Mapping the value beyond the hype, Juni 2015, S. 34, unter: https://www.mckinsey.de/files/unlocking_the_potential_of_the_internet_of_things_full_report.pdf (aufgerufen am 23.11.2017).

(8) Ericsson: Ericsson Mobility Report, Juni 2017, S. 6, unter:  https://www.ericsson.com/assets/local/mobility-report/documents/2017/ericsson-mobility-report-june-2017.pdf (aufgerufen am 23.11.2017).

(9) McKinsey Global Institute: The Internet of Things: Mapping the value beyond the hype, Juni 2015, S. 30, unter: https://www.mckinsey.de/files/unlocking_the_potential_of_the_internet_of_things_full_report.pdf (aufgerufen am 23.11.2017).

(10) manage it: “Deutsche Elektronikproduktion erwartet kräftiges Umsatzwachstum von 14 Prozent”, 13. November 2017, unter: http://ap-verlag.de/deutsche-elektronikproduktion-erwartet-kraeftiges-umsatzwachstum-von-14-prozent/38466/ (aufgerufen am 23.11.2017).

 

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