Eine One-Page-Website muss Spaß machen

Bevor wir beginnen, uns darüber zu unterhalten, was wir bei einer One-Page-Website (kurz “OPW”) in Bezug auf Design zu beachten haben, klären wir kurz, worum es bei einer solchen Seite überhaupt geht:

1. Grundlegendes: Was ist eine One-Page-Website?

Im Gegensatz zu einer  klassischen Website ist eine One-Page-Website als einzige Seite zu verstehen, die im Kern aus mehreren, untereinander verlinkten einzelnen Dokumenten besteht.

Um das Ganze etwas deutlicher zu machen: Ich sehe eine hübsche Webseite vor mir. Für gewöhnlich habe ich irgendwo ein (klassisches) Menü – oben, unten, links, rechts oder genau in der Mitte – das spielt keine Rolle. Die einzelnen Menüpunkte führen mich aber nicht wie “gewöhnlich” zu einer neuen Seite, sondern schicken mich zu einem gewissen Punkt / einer gewissen Stelle auf der Seite, auf der ich mich bereits befinde. Hier seht ihr ein für mich gutes Beispiel, dass genau diesen Aspekt ziemlich gut zeigt: http://weaintplastic.com/

Und was macht meine OPW nun zu einem optischen Highlight?

Vorweg: Hierfür gibt es leider kein allgemein gültiges Rezept. Gute Gestaltung liegt immer im Auge des Betrachters. Jedoch kann man sich an ein paar Grundprinzipien halten, um nicht gänzlich im Wirrwarr der Möglichkeiten zu versinken.

2. Ausgangssituation: Wird die OPW meinen Ansprüchen gerecht?

Die Optik einer Website, egal ob OPW oder klassische Website, richtet sich immer nach dem Inhalt, den sie transportieren soll. Ich zitiere hier gerne den amerikanischen Architekten Louis Sullivan, der den Ausspruch “form follows function” in Bezug auf die Architektur von Gebäuden zum Besten gab. Was für Gebäude gilt, kann für eine Website nicht falsch sein.

Ich sollte mir zu Beginn immer die Frage stellen, ob der Aufbau einer OPW für den Inhalt, den ich zum Besten geben will, auch das Richtige ist. Eine OPW können wir im Grunde verstehen wie ein Haus: Wir haben ein großes Ganzes, das wir aufteilen können in mehrere einzelne Bestandteile, quasi mehrere Etagen, auf denen sich immer ein eigenes Bild ergibt. Nur haben wir bei der OPW eben keine Fenster und Türen, Stühle und Tische, sondern bestimmte Einzelthemen, Bildergalerien oder auch Textabschnitte.

Unser Fahrstuhl ist das Menü, der uns vom Erdgeschoss aus angefangen zu allen anderen Etagen bringt – zu den einzelnen Unterpunkten.  Dessen sollte ich mir stets bewusst sein: Möchte ich richtig viel Inhalt präsentieren, der gegliedert, strukturiert und unterteilt präsentiert werden muss, dann ist eine OPW wahrscheinlich nicht das Richtige für mich.

3. Der Aufbau: Das Wesentliche nicht aus den Augen verlieren

Wenn wir uns jetzt noch einmal das Bild des Gebäudes hernehmen und überlegen, was es optisch “schön” macht, dann sind es immer die Details, die zusammengenommen ein harmonisches Gesamtbild ergeben. So ist es auch bei unserer OPW:  Die einzelnen Bestandteile sollten sich zwar unterscheiden, um die Seite interessant zu machen. Sie sollten jedoch auch einem gemeinsamen roten Faden folgen. Überhaupt ist das mit dem “interessant sein” enorm wichtig. Mir macht es Spaß, mich durch eine Seite zu bewegen, wenn diese mir möglichst viele spannende Momente und gerne auch mal den einen oder anderen Überraschungseffekt bietet. Hier liegt die Schwierigkeit darin, stets auf das Eigentliche fokussiert zu bleiben und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Dieses Ziel kann sein, zu informieren, den Besucher zum Kauf eines Produktes anzuregen, zum Spenden zu bewegen oder ganz klassisch eine Kontaktaufnahme zu generieren.

Persönlich finde ich es sehr nett, wenn mir eine Website eine kleine Geschichte erzählt. Mit einer OPW geht das natürlich um einiges besser, als mit einer klassischen Website. Hier muss ich meist nichts weiter tun, als mich von oben nach unten zu scrollen – natürlich gibt mir das Menü auch die Möglichkeit, das eine oder andere Kapitel zu überspringen. Aber wenn die Seite interessant und nett gestaltet ist, dann hat keiner das Bedürfnis dies zu tun. Es macht einfach Spaß zu sehen, was mir der “Architekt” dieser Seite zu erzählen hat. Hier ein nettes Beispiel: http://forbetter.coffee/
Ist es nicht schön, auf eine so bunte Art und Weise etwas über Kaffee zu erfahren?!

4. Die Zielgruppe: Für wen mache ich den ganzen Spaß?

Auch die Big Player unserer Zeit bedienen sich des Elements der OPW. Wie etwa Apple mit ihrer Seite zum Mac Pro. Im Vordergrund steht eindeutig die Produktpräsentation – natürlich mit dem Ziel am Ende möglichst viele Geräte zu verkaufen. Hier sieht man, wie ich finde, auch sehr schön wer zur Zielgruppe für den Mac Pro gehört: Design- und Technikinteressierte (Männer), die bereit sind auch mal etwas tiefer in die Tasche zu greifen um DAS Produkt schlechthin auf ihrem Schreibtisch stehen zu haben. Auch wenn ich Gefahr laufe jetzt ein paar kritische Blicke auf mich zu ziehen, finde ich, dass die schon recht dunkle Seite sicher eher den männlichen Konsumenten ansprechen soll – ich muss jedoch gestehen, dass auch ich mich angesprochen fühle, wenn auch eher von der Art und Weise wie hier ein Produkt präsentiert wird, als von dem Produkt an sich…

5. Zusammenfassend: Was genau ist jetzt wichtig und richtig?

Prinzipiell solltet ihr immer bedenken, dass ihr die Seite nicht mit Informationen, Gestaltungselementen und Firlefanz überfrachtet. Der Betrachter der Seite möchte wissen, an welcher Stelle er sich mit welchem Inhalt beschäftigen soll, welches Bild jetzt anzuschauen ist und welchen Text er wann zu lesen hat. Eine OPW eignet sich besonders, um eben ein Produkt, eine Angelegenheit, ein simples Thema oder sich selbst (das kann eine Person, ein kleines Unternehmen oder auch eine Gruppe Menschen sein) zu präsentieren. Dem Besucher der Seite wird es hier leicht gemacht, den gesamten Inhalt schnell zu überblicken und so alle wichtigen Informationen aufzunehmen. Um aber zu erreichen, dass am Ende auch eine Aktion (Kontaktaufnahme, Produktkauf, Nachdenken…) folgt, ist es eben wichtig, die Seite interessant, unterhaltsam, spannend und mit dem gewissen Etwas zu gestalten. Hier ist jeder frei in seiner Kreativität – ich bin gespannt, was mir im Laufe der nächsten Jahre noch tolles in Sachen OPW über den Bildschirm laufen wird 😉

In diesem Sinne: viel Spaß beim Konzipieren, Gestalten und Umsetzen!